TheaterTanzPerformance

MaßNahmen

in Dänemark werden 17 Millionen Nerze geschlachtet, weil bei ihnen anscheinend eine Mutation des CoronaViruses gefunden wurde, welches eventuell eine Impfkampagne gegen Covid19 behindern könnte. vielleicht. eventuell. man weiß es nicht genau. Dänemark ist einer der größten Nerzfellexporteure der Welt. aber im Dienste der Gesundheit verzichtet das Land auf eine wichtige Einnahmequelle. eine nachvollziehbare Maßnahme. oder? müssen wir die nächsten Winter leider auf neue Nerzmäntel, zum Wohle der Menschheit, verzichten. ein Opfer. Opfer müssen dargebracht werden, um die Gottheiten zu besänftigen. können wir auf Kunst- und Kulturveranstaltungen verzichten, um das Überleben der Menschenheit zu sichern? bestimmt. und haben auch alle Künstler_innen und Veranstalter_innen in den letzten Monaten gezeigt, dass wenn es notwendig ist, sie die Türen schließen bzw. vorbildlich alle Vorgaben der ExpertInnEn umsetzen und in den Theatern und Veranstaltungsräumen kaum nachgewiesene Ansteckungen passiert sind. vor allem auf Grund der Disziplin der Veranstalter_innen und Besucher_innen. was in so manchem KonsumTempel nicht der Fall war. trotzdem werden als eine der ersten Maßnahmen Theater und Kinos geschlossen, weil auf sie als reine Freizeitaktivität anscheinend schnell einmal und all zu gern, wie es scheint, verzichtet werden kann. nicht wie auf den Kasten im EinrichtungsTempel oder die Gebetsmühlen im GottesHaus. denn wird im KaufRausch auf der einen Seite die Wirtschaft angekurbelt und der gesunde Wettbewerb hält ja bekanntermaßen fit und stärkt das Immunsystem und stimmt die Gottheiten des Kapitals gnädig und auf der anderen Seite stiftet im GottesHaus die Pflege eines HerrGottGlaubens vor allem in KrisenZeiten Hoffnung und gibt die Verbindung in der Gemeinschaft des Glaubens Kraft für die Überwindung so mancher Krankheit. alles nachvollziehbare Argumente und hat da alles auch seine Berechtigung. nur wenn ein Verbot der Ausübung einer Religion ein Grundrecht verletzt, dann wird auch ein Grundrecht verletzt, wenn man seiner Arbeit nicht nachgehen kann oder nicht ins Theater gehen darf. also wenn man etwas jetzt zur Wahrung der Gesundheit anderer untersagt, weil die Versammlung von Menschen vermieden werden soll, wieso wird das in manchen Fällen aufgehoben und in manchen dann nicht? wenn auf das hoffnungsbringende Moment des Religiösen hingewiesen wird, dann müsste dies ja auch für das Kathartische, das Ekstatische und Trancehafte des Theatralen gelten, oder? und nicht nur die Zuseher_innen gehen erneuert aus einer Vorstellung hinaus, sondern auch die Akteure entgiften sich dabei, wenn sie Vorgänge an- und aussprechen, die die Welt in Atem halten und uns oft nur sprachlos zurücklassen oder sie im Tanz ihre Körper und Zellen jedesmal auf ein Neues wiederzusammenbauen. natürlich kann im ShoppingRausch, ob im ShoppingCenter oder im InternetShop, auch der eine oder andere TranceZustand zur Befreiung von Sorgen und Ängsten führen, ist das vielen bestimmt auch sehr recht. werden aber in den Aufeinandertreffen, die durch Kunst passieren, Utopien und neue Wege verhandelt, die die Mensch anvisieren müssen, um den Mut zu fassen die Realität neu und anders zu gestalten, als es in vielen Bereichen aktuell passiert. Kunst ist seit jeher eine Begleiterin des Menschen, schon lange bevor es Ideologien gab, entwickelte der Mensch Werkzeuge um sein eigenes Mysterium zu begreifen und zu verhandeln und dies muss mit allen Mitteln gepflegt und am Leben erhalten werden, ansonsten werden wir nur noch Abstand sein, zu wem oder was auch immer. die Verlagerung der Kunst- und Kulturveranstaltung in den virtuellen Raum ist ein kurzer Trost, aber keine wirkliche Option, denn kann dem, was die tatsächliche Präsenz von Menschen und die gegenseitige Kontamination an Lebendigem generiert und provoziert, keine noch so schnelle Glasfaserleitung standhalten. auch wenn die Kunst- und Kulturschaffenden alle Präventionsmaßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von Viren in jeder möglichen und unmöglichen Form unterstützen, sind wir vor allem als Künstler_innen verpflichtet aufzuzeigen, dass es nicht möglich ist sich gegen alle Risiken, die die Welt in sich birgt zu schützen, zu versichern oder zu impfen. und auch wenn es vielleicht eine bittere Realität ist, werden auch vermutlich nach der Eindämmung des Coronaviruses Menschen sterben. vor allem aber werden Menschen aus Armut und auf Grund von Herzlosigkeit sterben, die man ihnen gegenüber zeigt und darauf müssen wir als Künstler_innen auch in KrisenZeiten aufmerksam machen. und vor allem darauf aufmerksam machen, dass es nicht einfach so hingenommen werden kann, dass man im Dienste des Kapitals, einer rücksichtslosen Wirtschaft oder so mancher Ideologie gerne mal ein Auge oder zwei zudrückt, aber man so schön blind ist auf allen Augen, wenn es wirklich darum geht Menschen zu unterstützen, die Hilfe brauchen. die Hilfe brauchen meist genau auf Grund unserer Wirtschaftssysteme. und man auch so schön blind dann gleich wieder ist, wenn Ideen an den Tag gelegt werden, die wirklich auf ein besseres und rücksichtsvolleres Miteinander zielen. das ist dann einfach nicht mehr nachvollziehbar.

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