TheaterTanzPerformance
jetzt ist dann aber bitte mal Schluss mit lustig! Tanz, Theater, Performance und das Virus.

jetzt ist dann aber bitte mal Schluss mit lustig! Tanz, Theater, Performance und das Virus.

da man sich in den performativen Künsten gerne einmal dagegen stemmt, am besten mit dem gesamten Körper, dagegen. da dagegen dass immer um jeden Preis produziert werden muss, immer neu und immer größer, ohne die Konsequenzen vor Augen, dann tut sich in einem als Künstler_in kurz einmal die Frage auf, in dem Moment, wo auf einmal wirklich alles (auf den ersten Blick) still zu stehen scheint, ob ich jetzt auch zurückfahren muss, entschleunige, wie es ein ach so besonnener Kanzler so vor sich hermurmelt. ob ich meine ständige Kritik endlich sein lasse, meine Beschäftigung mit historischem oder mit zeitgenössischem Material, mit den sogenannten sozialen RandGruppen, mit den vielen künstlerischen und körperlichen Sprachen, die kostbare menschliche Erinnerungen und Erfahrungen in sich tragen und jene die Welt retten lasse, die wirklich was davon verstehen. aber schon nach drei Minuten Spaziergang im Wald oder KüchenFliesenPutzen, sagt da eine kleine Stimme, irgendwo zwischen Brustbein, Kehlkopf und Nasenflügel, „nein, Ihr habt da aber gewaltig was übersehen.“ nämlich zuerst einmal das, dass Kunst kein kleiner BlindDarm der Gesellschaft ist, den man schnell einmal abzwicken kann und dann, eventuell, wenn die Leute wieder Lust auf ein bisschen Spaß und Ablenkung haben, ihn wieder anschließen und schaun, ob er läuft. und wenn nicht, halb so wild; es gibt ja mittlerweile einen StreamingDienst schon für jede Lust und Unlust.
¡¡es ist halt dann einfach so, dass die Kunst, höchstpersönlich, nämlich nichts geringeres ist als das Herz der Gesellschaft selbst, ohne sie gibt es schlichtweg keine Gesellschaft!!

dass bei der augenscheinlich überbordenden NächstenLiebe unserer Regierung, in der keiner zurückgelassen werden will, und an alles gedacht scheint, auch einiges in die falsche Richtung zielt, ist natürlich bedenklich, aber es gibt uns widerum die Chance, Verhältnisse sichtbar zu machen. am Anfang einmal sichtbar zu machen, wie das so wirklich ist mit dieser Chimäre, die sich „Unsere Werte“ nennt, nämlich die unsrigst unsrigen. wer ist was WERT und wieviel in unserer Welt? und dann spezifisch auf die Kunst bezogen, dass obwohl wir bewusst den AusnahmeZustand und die Krise herbeiführen und leben, weil sie in ihrer überforderden Natur, jenes zu Tage bringen, was wirklich in uns steckt und uns als Menschen bewegt, was eben nicht nur Fressen, Shoppen und Ficken ist, dann heißt das nicht, dass wir als Künstler_innen auf materieller Ebene immer im AusnahmeZustand sein müssen, um gute Arbeit zu leisten. was ja ein immer noch weitverbreitetes Bild ist.

wir müssen im Performativen immer in irgendeiner Form auf die Aktualität reagieren, (vor allem weil unsere Körper nur jetzt, in dem Augenblick am Leben sind, mit all den Einflüssen, die sie prägen), aber können dasnur in einer Weise gestalten, die die Aktualität transzendiert, also sich auch immun zeigt gegenüber Modeerscheinungen, efemeren Tendenzen oder politischen Entscheidungen.

wie als Künstler_in angesichts des CoronaVirus zu reagieren ist, zeigt sich als etwas komplexer; vor allem daher weil die Regierung einer ureigenen Forderung der Kunst nachgeht, (zumindest augenscheinlich, weil ja nicht wirklich), nämlich den gesamten Wirtschaftsapparat im Dienste der Menschheit zurückzuschrauben. warum »nicht wirklich« ist auch schnell klar, weil ja der Aufschrei nach Überleben hauptsächlich der Produktionswelt gilt, die ja für die richtig wichtigen Bedürfnisse zuständig ist, und nicht wirklich die Sensiblisierung der Menschen anvisiert wird, tatsächlich die Auswirkungen unserer Lebensstile auf die Menschen und die Natur zu hinterfragen. die potenten Firmen, Regierungen und ProduktionsTempel können hier also ihr Agieren, auch wenn es Grundrechte verletzt, Umweltstandards widerspricht, oder Arbeistrechte aushölt, eigentlich ungehindert, wenn nicht sogar noch ungebremster, weiterführen, weil jetzt gerne das Argument herausgeholt wird, wie es auch in Kriegszeiten genutzt wird, nämlich den Gürtel enger zu schnallen gegen einen gemeinsamen Feind. den Gürtel wirklich enger schnallen dann aber schnell wieder jene, die ohnehin schon mit dem sogenannten ExistenzMinimum auskommen müssen. das sieht frau dann gleich einmal wenn es darum geht, beim Härtefallfonds der Kammer fürs Wirtschaften anzusuchen; jene, die unter € 6000 jährlich erwirtschafteten, bekommen € 500, jene, die mehr verdient hatten, € 1000. scheint gerecht, sagst Du? gerecht ist es. bestimmt. richtig ausgerechnet. weil ja die Krise die Mehrverdiener härter trifft. gell? haben die ja auch mehr zu verlieren!!! dass das aber nicht einmal rechnerisch stimmt, ist schnell einmal nachgeforscht. denn sind es nämlich meist die Wenigverdiener, die in KrisenZeiten noch mehr draufzahlen, weil sie meist über keine Reserven verfügen, öfter Kompromisse eingehen, oft schnell agieren müssen, kleinere Mengen zu kaufen gezwungen sind und deshalb oft Produkte zu höheren Preisen bekommen als Gutverdiener. oder auf Grund von Verschuldungen höhere Zinsen zahlen als besserVerdiener. und das kann man immer weiter drehen das Rad … also anstatt Lösungen zu suchen, die unsere aktuellen InteraktionsMuster und WertungsMuster hinterfragen, versucht man im Sinne einer einseitigen Gerechtigkeit zu handeln. es ist halt eine traurige Realität, dass nach wie vor der Mensch nach Höhe seines Einkommens gewichtet wird. demnach ist eine Hausfrau oder ein Hausmann, die/der 12 Stunden am Tag eigentlich unentgeltlich arbeitet, aber im Dienste einer Gesellschaft, die sie/er aufrecht erhält, weniger Wert, verfügt über weniger Gewicht bei Entscheidungen und hat kaum jemanden, der ihre Rechte wirklich, und nicht nur theoretisch, vertritt. in einem Land wie Österreich, welches auf das Einhalten von Werten und Regeln pocht, wenn eine Frau mit Kopftuch, humanitäre Hilfe einfordert, die sie auf Grund unserer Gier und Rücksichtslosigkeit benötigt, wir als Staat aber gleichtzeitig kaum etwas gegen Benachteiligung von Frauen und Gewalt gegen Frauen und Mädchen unternehmen, weil es halt so bequemer ist und schon seit tausenden Jahren so ist, dann ist das schlichtweg lächerlich.

und als Künstler_innen haben wir, weil wir uns diese Fähigkeiten über Jahre angeeingnet haben, in Extremsituationen bewusst und rücksichtsvoll agieren zu müssen, die Verantwortung und Aufgabe, auf solche Missstände und AugenAusWischereien hinzuweisen und so gut es geht in konkrete kreative Handlungen zu übersetzten. und da die Kunst, und ganz stark die performative Kunst, als genuin menschliche Ausdrucksform, kein Luxusgut ist, das man ein paar Wochen schon getrost weglassen kann, wie ich das am 28.3. sogar auf fm4 hören musste, weil wir in den komplexen Gebilden, in denen wir leben, die Entscheidung tagtäglich fällen müssen, ob wir als Menschen auch der Konsequenzen bewusst agieren, also auch weiterdenkend, durchdringend, sich der Widersprüchlichkeit der menschlichen Natur bewusst, oder als ein von Ängsten, Xenophobie oder schlichtweg aus Gier und Gleichgültigkeit handelndes Wesen, das das bewusst eigennützige Handeln, als gesunden Egoismus verkauft, der ja auch anscheinend so gut ist fürs ImmunSystem.

da wir als Kunst- und Kulturschaffende aber nicht auf einer präpotenten Ebene handeln wie so mancher parteitreue Spitzbub auf sog. CoronaParties und dies als systemkritisch und rebellisch verkaufen, können wir die Zeiten des Rückzuges dafür nützen uns zu fragen, wie wir wollen, dass die Zukunkft des Performativen in Österreich und der Welt in Zukunft aussehen soll; wollen wir, dass unsere Aufeinandertreffen nur noch hinter den Bildschirmen passieren, auf ZoomMeetings, wie es die Welt der AchsoGeschäftigen und Beschäftigten in vollem Ausmaß zelebriert, wollen wir dass die lebensnotwendige gegenseitige Kontamination nur noch auf digitaler Ebene passiert oder wollen wir uns weiter mit den Energien auseinandersetzen, die entstehen, wenn wir unsere Wichtigtuerei und Egoismen ablegen und einem echten lebendigen Gegenüber zeigen, wie und wo, und an welchen Stellen am meisten, wir wirklich lebendig sind und dass wir diese Lebendigkeit auch im Kollektiv kultivieren, trainieren müssen, um zu zeigen, dass bessere Formen des ZusammenLebens möglich sind, als wir sie leider noch immer vorfinden? wir sind es als Kulturschaffende gewohnt auch in Extremsituationen achtsam und bewusst zu agieren, wir wissen, dass wir auch etwas entstehen lassen können, ohne jemandem anderen etwas wegzunehemen, wir sind Alchemistinnen, die aus Nichts Gold machen. dieses Wissen tragen wir weiter, aber dieses Wissen und diese Erfahrungen müssen auch honoriert und zugänglich gemacht werden.

in der sogenannten Griechenland-Krise hat keiner unserer achSoCleveren-Finanzexperten daran gedacht Euripides oder Sophokles etwas für ihre Errungenschaften, von denen wir nach wie vor zehren, zu zahlen, aber wir müssen heute darauf hinweisen und all dies einfordern, für all das, was wir uneigennützig kreieren und im Dienste anderer verarbeiten. so wie wir all diese aktuellen Maßnahmen im Kampf gegen das Virus auch einfordern müssen, wenn es darum geht Menschen auf der Flucht zu schützen, Menschen vor dem Verhungern zu retten und so richtig böse Viren, wie Krieg und Gleichgültigkeit zu bekämpfen. denn es stehen all jene schon wieder in den Startlöchern, die hinter den Fenstern und Büschen herauslugen, um als braver Bürger zu melden, wenn wer heimlich jemand anderen zu nahe kommt, es werden schon die Mobiltelefone „getrackt“, um zu schaun, ob wir wohl zu Hause bleiben und Nachrichten schaun und auch wirklich die neuen Fachbegriffe auswendig lernen, die unsere Heilbringer vorbeten.